Anfang Oktober ist auf dem eigentlichen Jakobsweg wohl nicht mehr so viel los, aber zumindest in Santiago fanden wir dann doch noch eine ganze Menge Pilger vor der Kathedrale. Wir hatten uns aber dazu entschlossen, einfach mit dem Auto an der galizischen Küste entlang Richtung Norden und dann wieder Osten Richtung Santander zu fahren. Und das war ein echtes Erlebnis.
In Santiago sahen wir uns am Ankunftstag die überschaubare Altstadt in allen Ecken und Winkeln an und gerade, da das Wetter sehr bewölkt und trübselig war, erschien einem alles noch mittelalterlicher als ohnehin schon. Den nächsten Tag fuhren wir dann geradewegs Richtung Atlantikküste und erfreuten uns an einem für uns noch ganz ungewohnten Spanienbild: Es war alles grün und üppig bewachsen.
Am Atlantik fuhren wir von Finisterra, dem Ende der damals bekannten Welt, die Küste nach Norden, wildromantisch, teilweise fast südseeartige Strände, weit auslaufende Sandbuchten, verlassene Ferienhäuser und kaum Menschen. Wunderschön.
Über A Coruña, das wir ausließen, ging es dann weiter durch einen weitläufigen Nationalpark, der trotz geringer Höhe, nur wenige Meter über dem Meeresspiegel, viel Karstland und karg bewachsene Hügel aufwies, zwischen den halbverwilderte Pferde und Kühe umherstreunten. Das raue Atlantikklima machte sich hier bemerkbar.
Weiter Richtung Osten besuchten wir noch den kleinen Fischerort Cudillero, der in eine enge Bucht hineingebaut ist und dort steil die Wände emporgewachsen ist. Mittlerweile ganz auf Tourismus ausgelegt, hat es doch ganz eigenen Flair.
Letzter Höhepunkt der Reise war dann unser Ausflug in die Picos de Europa, ein Gebirge von bis zu 2500 m Höhe, Hochgebirgsathmosphäre aufgrund des rauen Klimas schon ab 1000 m, und das Ganze nur wenige Kilometer von der Küste entfernt. Unser Weg führte uns durch enge Schluchten mit steilaufragenden Felswänden links und rechts von uns. Ein Wanderrevier, wie man es sich spannender kaum vorstellen kann, es zugleich aber im Hochsommer meiden sollte, weil die Touristenströme wie die Heuschrecken über die Landschaft herfallen.
Abschluss bildete dann Santander, eine wenig reizvolle Hafenstadt, sehr industriell geprägt, aber mit atemberaubender Küstenlinie. Insgesamt ein Spanien, das noch weiter entdeckt werden will bis hin zu den Pyrenäen.